Gruppenpsychotherapie

„Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“  Wilhelm von Humboldt

Meine Praxis steht für Menschenwürde, Vielfalt und Demokratie – für einen offenen, respektvollen und diskriminierungsfreien Raum, in dem alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Behinderung, Religion oder Lebensweise willkommen sind.

Als Menschen sind wir zunächst einmal soziale Wesen, die in gemeinschaftlichen Verbänden (z.B. einer Familie) aufwachsen und bewegen wir uns in vielen zwischenmenschlichen Kontexten wie der Schule, Universität oder dem Arbeitsplatz, Partnerschaften, Freundschaften und Nachbarschaft. Psychische Erkrankungen wiederum gehen häufig mit Störungen der Beziehungsgestaltung einher. Eine wissenschaftlich erwiesen wirksame Behandlungsform psychischer Erkrankungen stellt daher alternativ zur Einzeltherapie die Gruppenbehandlung dar. Die Kosten werden bei Vorliegen einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung von der Krankenkasse getragen.

Die tiefenpsychologisch fundierte Gruppentherapie findet über ca. 1 bis 3 Jahre in wöchentlichen Sitzungen von 100 Minuten Dauer statt. In einer Gruppe befinden sich bis zu 8 Gruppenmitglieder unterschiedlichen Geschlechts und Alters. Die Vielfalt innerhalb der Gruppe bildet dabei die Buntheit der Gesellschaft ab.

Eine Gruppentherapie hat gegenüber der Einzeltherapie den entscheidenden Vorteil, dass sich die Gruppenmitglieder einander selbst oft unbewusste Aspekte des Erlebens und Verhaltens gegenseitig spiegeln können nach dem Motto: Jedes Ding hat drei Seiten - eine, die Du siehst, eine, die ich sehe und eine, die wir beide nicht sehen. (Chinesische Weisheit)

Die Therapeutin sorgt dabei für den sicheren Rahmen des Prozesses, achtet auf die Einhaltung der Grundregeln wie regelmäßige, pünktliche Teilnahme, Schweigepflicht und vor allem respektvollen Umgang. Dadurch wird es möglich, sich geschützt genug zu fühlen, um sich auf den Prozess und die Gruppe einlassen und sich öffnen zu können. Innere und äußere Konflikte werden gemeinsam bearbeitet und mit der Zeit entsteht in und mit der Gruppe eine gemeinsame Entwicklung des Einzelnen und der Gruppe.

Wirkungsweise:

Unser Beziehungsleben ist oft von unbewussten (aus der Kindheit stammenden) Bedürfnissen, Ängsten und Konflikten geprägt und es hilft, zu verstehen, wie unser aktuelles Beziehungsleben von früheren Beziehungserfahrungen bestimmt wird (die so genannte Übertragung bzw. der Vergangensheitsbezug). In der Gruppentherapie schildern die Teilnehmer*innen den Gruppenmitgliedern ihre Empfindungen, Erlebnisse, Erinnerungen und Träume und holen sich deren Rückmeldung ein. Dabei erleben die Teilnehmer*innen aber ebenso ihre aktuelle Beziehung zu den anderen Teilnehmer*innen und können auch diese Einrücke in der Gruppe gemeinsam reflektieren (Gegenwartsbezug). Eine Gruppentherapie ermöglicht es Ihnen, oftmals deutlicher als eine Einzeltherapie, sich selbst in Beziehungen zu erleben und zu verstehen und ihre Beziehungen schließlich anders und gelingender zu gestalten (Veränderung und Zukunftsbezug).

Psychotherapie in der Gruppe bedeutet also nicht, dass „nur“ über etwas im Außen (Konflikte in der Ehe, in der Arbeitswelt usw.) gesprochen wird, sondern ist gelebte zwischenmenschliche Praxis: Wie erlebe ich mich und die anderen hier in der Gruppensituation? Wie wirke ich auf mein Gegenüber? Wie teile ich mich anderen mit?

Im Alltag zeigen wir unseren Mitmenschen oft unsere verletzlichen, ungeliebten oder sozial unerwünschten Seiten nicht und erhalten somit auch keine wertvollen Rückmeldungen dazu. Hat die Gruppe miteinander Vertrauen aufgebaut, zeigen wir uns hingegen viele Facetten. Neben der heilsamen Erfahrung, dass man mit bestimmten Ängsten und Konflikten nicht alleine ist, diese geteilt und oft verstanden werden, kann darüber hinaus erprobt werden, eigene Bedürfnisse einzubringen, sich abzugrenzen oder auch einmal durchzusetzen. Wichtige Erfahrungen können (vielleicht erstmalig im Leben) in einer Gemeinschaft gemacht werden: Zugehörigkeit, Einzigartigkeit, Abgrenzung, Akzeptanz, Veränderung und Mitgefühl. Vor dem Behandlungsbeginn finden Vorgespräche im Einzelkontakt statt und wird in einem Behandlungsvertrag alles Wesentliche erörtert.

Es gelten unter anderem folgende Grundregeln:

  • Die Teilnahme an der Gruppe ist für mindestens ein halbes Jahr (wünschenswerterweise länger) gedacht, damit gegenseitiges Vertrauen entstehen kann. Ein neues Mitglied kann in der Regel nur aufgenommen werden, wenn ein Platz frei geworden ist, weil eine Therapie beendet werden konnte.
  • Die Gruppe kann einen Raum bieten, offen über alles zu sprechen, was Sie beschäftigt. Dies umfasst auch Ihre Gedanken und Gefühle zu den anderen Gruppenteilnehmer*innen. Diese können frei und respektvoll geäußert werden.
  • Schweigepflicht: Eine wichtige Voraussetzung für die Offenheit und Vertrauen ist, dass alles, was in der Gruppe geäußert wird, auch hier in der Gruppe bleibt.
  • Damit die Themen alle innerhalb der Gruppensitzung selbst und unbefangen bearbeitet werden können, ist es sinnvoll, dass sich die Gruppenmitglieder nur innerhalb der Gruppentherapie treffen und sich nicht bereits aus anderen Kontexten kennen.

Wenn psychische Störungen durch zwischenmenschliche Erfahrungen verursacht und aufrechterhalten wurden, dann ist zu erwarten, dass psychische Störungen durch neue, ‚korrigierende‘ Beziehungserfahrungen überwunden werden können. In der Gruppentherapie bietet sich Ihnen diese Chance.

Ein ehemaliger Patient schildert hier dankenswerterweise seine Erfahrungen aus der Gruppentherapie:

"Glückliche Umstände führten dazu, dass ich sehr kurzfristig einen Therapieplatz in einer Gruppe bei Frau Kuppe-Heder erhielt. Nicht, das sei vorab bemerkt, meine favorisierte Therapiewahl, doch meine Not war groß und so nahm ich, was mir gegeben wurde. Ich vermied es, mich detailliert in die Feinheiten dieser Therapieform einzulesen, wollte mich vielmehr unbefangen darauf einlassen. Jedoch kamen mir vor Beginn der Therapie Bedenken, welche sich vor allem darum drehten, wer die anderen Gruppenmitglieder sein und inwiefern diese einen „Performance-Druck“ in mir auslösen würden. Einen solchen spürte ich in der Vergangenheit oftmals vor Zusammenkünften in der Familie oder im Freundeskreis. Auf dem Weg dorthin begleitete mich nicht selten das Gefühl, „liefern“ und zu einer guten Stimmung beitragen, also gefallen zu müssen. Im beruflichen Kontext neigte ich oft dazu, in Gruppen (ungefragt) eine Moderatorenrolle zu übernehmen und ich sorgte mich, dass ich in der Therapiegruppe einen ähnlichen Druck verspüren würde, mich die Sitzungen also nicht ent- sondern belasten würden. Über all diesen Gedanken ging mir plötzlich auf, dass ich meine Rolle in Gruppen noch nie in der Form und Klarheit reflektiert habe. Und so bescherte mir die Therapie bereits vor Beginn eine wichtige Erkenntnis über mich: wenn ich Teil einer Gruppe bin, spüre ich Druck, gefallen zu wollen und Verantwortung übernehmen zu müssen.

Im Januar dann die erste Sitzung. Das Kennenlernen war offen und herzlich, die anfängliche Nervosität sank schnell. Und trotzdem „performte“ ich, indem ich als erster das Wort ergriff und auf pointierte Weise meine aktuelle Situation schilderte. Mein Beitrag hatte etwas von einem Bewerbungsvortrag, als müsste ich mich für die Teilnahme an der Gruppe rechtfertigen und um diese werben. Ich war also in die Falle getappt, was im Vorfeld zu vermeiden ich mir vornahm. Dies wurde mir bewusst, als die anderen Gruppenmitglieder vergleichsweise sachlich und nüchtern über sich und ihre Beweggründe sprachen. Dieser „Performance-Druck“ begleitete mich auch noch eine ganze Weile weiter. Zu Beginn einer jeden Sitzung stellte Frau Kuppe-Heder die gleichen zwei Fragen: „Wie sind Sie heute hier und hat aus der letzten Sitzung noch etwas nachgewirkt?“ Und stets blieb es zunächst still. Niemand ergriff das Wort. Mir war diese Stille sehr unangenehm. Ich spürte Druck, beginnen zu müssen, um so die anderen Teilnehmenden zum Sprechen zu motivieren. Ich musste mich zwingen, nichts zu sagen, hielt diesem Druck aber oftmals nicht stand und ergriff als erster das Wort. Erst als Frau Kuppe-Heder bei einer Sitzung, in der es besonders lange still blieb, nachfragte, wie sich diese Stille für uns anfühlt, äußerte ich meine Gefühlslage. Es stellte sich heraus, dass ich der Einzige in der Gruppe war, der so fühlte. Praktisch alle vertrauten darauf, dass Frau Kuppe-Heder als „Gruppenleiterin“ das schon in die richtigen Bahnen lenken würde. Zwei Teilnehmende empfanden die Stille sogar als angenehm. Die anderen Gruppenmitglieder konnten die Verantwortung für das Gelingen der Therapie offenkundig gut abgeben. Ich nicht. Ich hatte wenig Vertrauen, dass der Gruppenprozess auch ohne mein Zutun „in Gang kommen“ und „laufen“ würde. Die zweite wichtige Erkenntnis stellte sich ein: Ich habe wenig Vertrauen in andere Menschen und in Prozesse.

Infolge dieser Gruppenerfahrung bekam ich nun verstärkt über die Berichte der anderen Gruppenmitglieder Zugang zu meinen Gefühlen. Ihre Berichte lösten immer häufiger Empfindungen in mir aus, die ich anschließend zu- und einordnen konnte. Oder umgekehrt: über die Gefühle der Teilnehmenden meine Erlebnisse betreffend. Viele Erinnerungen an Geschehnisse, die ich in der Gruppe zur Sprache brachte, erzeugten bei den Teilnehmenden andere Empfindungen als bei mir. Manche Erlebnisse, denen ich selbst keine Empfindung zuordnen sondern sie lediglich analytisch und distanziert darlegen konnte, erzeugten bei den anderen Gruppenmitgliedern, nicht selten zu meiner Verwunderung, teils sehr starke Gefühle. Dabei habe ich mich immer für einen Menschen gehalten, der einen guten Zugang zu seinen Gefühlen hat. Dieses Selbstbild musste ich im Laufe der Gruppentherapie korrigieren.

Ich lernte über mich, dass ich viele Gefühle durch Gedanken ersetzt habe. Noch bevor ein unangenehmes Gefühl aufsteigen konnte, zerdachte ich es, negierte es mit rationalen Argumenten und kontrollierte es auf diese Weise. Mir wurde bewusst, dass die innere Stimme, die mich dazu anhielt, die meiner Eltern war, welche meine als Kind geäußerten und ausagierten Gefühle als unpassend und falsch markierten. Diese Erkenntnisse wurden mir erst im Spiegel der Gefühle anderer bewusst, welche meine Geschichten und Erlebnisse mehr mitnahmen, als mich selbst. Der Tatsache bewusst und durch die Gruppenmitglieder bestärkt, gelang es mir im weiteren Verlauf zunehmend besser, aufsteigende Gefühle in mir wahr- und vor allem annehmen zu können. Dass meine Gefühlte stimmten, sie nicht falsch oder unpassend waren, dass ich sie fühlen durfte, nahm ich als ersten großen Therapieerfolg wahr.

Ich hab mich scheinbar in der Bewertung meiner Erfahrungen nicht sehr ernst genommen, sie stets mit schlimmeren Schicksalen verglichen und auf diese Weise kleingemacht. Auch diese innere Stimme, so wurde mir bewusst, war die meiner Eltern, die meine Empfindungen und Gefühle als Kind nicht selten mit Verweis auf schlimmere Schicksale relativierten oder auch ganz negierten. Infolge dieser Erkenntnis konnte ich mehr Mitgefühl mit mir selbst entwickeln. Ich konnte mir sagen, dass es schlimm war, was mir widerfahren ist und ich allen Grund dazu habe traurig und wütend zu sein. Natürlich hätte auch Frau Kuppe-Heder, hätten auch Freunde mir zu dieser Einsicht verhelfen können. Doch geäußert durch fremde, mir im Rahmen der Gruppe gleichgestellte, ohne professionelles Interesse an meiner Heilung interessierte Menschen, war dies deutlich wirksamer. Von dieser Sitzung an gelang es mir immer besser, mich auf den Gruppenprozess einzulassen. Ich vertraute. Und die Gruppe wurde fortan ein Ort, an dem ich angstfrei über meine Gefühle sprechen und ehrliches Feedback empfangen und annehmen konnte. Eine Gruppe fremder Menschen, die zugewandt und vertrauensvoll miteinander und mit mir umgingen, „machten“ mich zu einem Menschen, der mehr vertrauen kann.

Resümierend kann ich sagen, dass die Gruppentherapie eine durchaus voraussetzungsreiche und fordernde, gleichsam aber lohnende Therapieform ist. Voraussetzungsreich, da man sich nicht nur einer, sondern gleich mehreren fremden Personen gegenüber öffnen, ja mit ihnen in Beziehung treten muss. Fordernd, da die Verantwortung für das Gelingen bei einem selbst liegt. Lohnend, da sie eine Reihe von Chancen bietet: Zuvorderst die Chance, in einem geschützten Raum eigene Beziehungsmuster zu reflektieren und, so nötig, neue einzuüben. Dann die Chance, gehört zu werden, ehrliches Feedback zu bekommen und darüber sein Selbstbild zu korrigieren. Zu guter Letzt aber vor allem die Chance, Vertrauen zu lernen. Gründe genug also, sie zu versuchen."